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Editorial

Einmal naTo – immer naTo
portraet-elstermann

Falk Elstermann – Geschäftsführer naTo e.V.

Es muss so 1985/86 gewesen sein, als ich meine erste Begegnung mit der naTo hatte – natürlich eine der besonderen Art. Ich war zu dieser Zeit im 2. Studienjahr und infolge der mittlerweile gedämpften Erwartungen, was den Sinn meiner akademischen Bemühungen und die Berufsaussichten anbelangte, auf der Suche nach neuen Erfahrungen. In Intellektuellen- und Künstlerkreisen raunte man viel von der naTo, was ich anfangs für einen Joke hielt, denn ein Club solchen Namens im Epizentrum des Warschauer Paktes war mir unvorstellbar. Aber die Gerüchte verdichteten sich und so ging ich mal nachschauen. Die Band des Abends hieß Kixx mit Wigald Boning. Beides sagte mir gar nichts. Als ich endlich drin war und sah, wie eine verrenkte Gestalt auf der Bühne Eisenketten über eine Bassgitarre schleifte und hörte, wie die dabei entstehenden Geräusche vertausendfacht aus den Boxen krachten – wurde mir auch nicht klarer, um welche Lebens- oder Kunstform es sich hier handelte. Ich ging in den Vorraum, orderte eine Flasche Bier und stellte mich der niederschmetternden Erkenntnis, dass ich, der ich in den musikexperimentell geschützten und der Pflege des traditionellen Jazz verhafteten Gefilden des Dresdner Raumes aufgewachsen bin, einfach noch nicht reif war für die Herausforderungen des performativen Freejazz. Ein wenig beruhigte mich die Tatsache, dass mindestens die Hälfte des Publikums neben mir im Vorraum stand, intensiv Bier trank und gleichfalls ausgelastet schien bei dem Versuch, die soeben gemachte Kunsterfahrung zu verarbeiten.

Dann verlor ich die naTo für einige Zeit aus den Augen. Ich trieb mich im Haus der Volkskunst und im Beyerhaus herum, und begann Theater zu machen. Das war auch die Voraussetzung für meine nächste Begegnung mit ihr. 1991 hatte die naTo einen Kulturaustausch mit Malmö/Lund organisiert und suchte noch Künstler, die Leipzig in Schweden vertreten sollten. Als ich gefragt wurde – wir hatten ein halbes Jahr zuvor mit der Tanztheaterinszenierung »Spiel der Kräfte« in der naTo gastiert – sagte ich sofort zu. Unsere Vorstellung lief gut aber viel spannender war es, die friedlichen skandinavischen Orte mit ihren schlummernden Szeneclubs und sanftmütigen Theaterstücken zu vergleichen mit dem krachigen, eckigen, rasanten, vibrierenden Leipzig. Da kam Heimweh auf. Im Jahr darauf wurde in der naTo eine Stelle frei – Öffentlichkeitsarbeit. Ich war arbeitslos, lebte alleinerziehend mit meiner Tochter, suchte nach einem Stück Sicherheit und griff zu. Was dann folgte, kann ich bis heute nicht chronologisch oder sonstwie geordnet beschreiben. Es war einfach verrückt. Was wir taten, war plötzlich legal. Wir bekamen Fördermittel und konnten unsere eigenen Ideen umsetzen. Wenn das Geld nicht für alles reichte, war´s uns egal, jedenfalls fühlten wir uns frei. Die Gesellschaft war neu, alles schien möglich. Ich lernte so tolle Menschen wie Paul Fröhlich und Matthias Stein kennen und wir stellten gemeinsam Kulturmeilensteine auf. Ich konnte Wolfgang Krause Zwieback bei der Arbeit zuschauen. Er brachte »Tafü Lafö« und »Dampferaufgang« bei uns heraus. Ich inszenierte Stücke mit Ines Agnes Krautwurst und Stephan König. Wir spielten Ferienlagererlebnisse nach – nur eben viel größer – und nannten es Seifenkisten- oder Badewannenrennen. Wir begleiteten den Stadtumbau im Leipziger Westen mit Kulturprojekten. Wir erfanden den Kinosommer und gingen gemeinsam mit der Sparkasse auf Tour durchs Leipziger Land. Und, und, und. Jedes einzelne Projekt war ganz anders als alle anderen – aber immer naTo, egal wie viele Jahre dazwischen lagen. In meiner Erinnerung ist all das gleichermaßen lebendig und bunt und erzeugt immer wieder tiefe Emotionen. Wie soll man dann aber EIN Buch über die naTo schreiben, über 30 Jahre pralles Leben? Gibt es die eine »wahre« Geschichte überhaupt? Nein, unmöglich! Also müssen es viele sein. Von unterschiedlichen Autoren. Aber wie ordnet man die (man kann ja nicht alle auf ein Blatt drucken oder gleichzeitig lesen)? Chronologisch, thematisch, nach Länge? Am besten gar nicht! Unser Gedächtnis funktioniert sprunghaft. Wer weiß schon, welche Assoziation, welches Geräusch, welcher Duft ihn zur nächsten Erinnerung geführt hat? Also haben wir uns für den Zufall als »Ordnungsprinzip« entschieden. Die vielen geschriebenen, gezeichneten und fotografierten Geschichten dieses Buches wurden UNwillkürlich aneinander gereiht und das hat einen überraschenden, höchst vergnüglichen Nebeneffekt: Ganz automatisch versucht man beim Lesen, Verbindungen und Zusammenhänge zwischen den aufeinanderfolgenden Geschichten herzustellen – und (er)findet diese auch. Genau diesen Spaß, den wir bei der Schlusskorrektur hatten, wünschen wir nun allen, die dieses Buch – vielleicht immer mal wieder – in die Hand nehmen. Einmal naTo – immer naTo. Falk Elstermann Geschäftsführer naTo e.V.
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30 Jahre naTo – Die Chronik

Viele Höhepunkte und manch Vergessenes
Torsten Hinger - Vorstand naTo e.V.

Torsten Hinger -
Vorstand naTo e.V.

Die chronologische Zusammenstellung kultureller Höhepunkte auf den folgenden Seiten kann nur ein – wahrlich subjektiver – Ausschnitt aus der tatsächlichen naTo-Geschichte sein. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde viel Beachtenswertes geplant, begonnen, auch verworfen – meistens aber doch vollendet. Das ist hier dokumentiert. Und trotzdem ist unsere Chronik nicht vollständig, kann es gar nicht sein. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen fehlten leider verlässliche Daten über Veranstaltungen aus der Frühzeit der naTo. Zum zweiten haben wir sicher bei der unglaublichen Fülle an Informationen das eine oder andere übersehen. Zum dritten mussten wir letztendlich eine Auswahl treffen, denn es sollte ein Buch von moderatem Umfang (und irgendwann auch mal fertig) werden.

Sicher wird mancher Leser das eine denkwürdige Konzert, die eine unvergleichliche Theateraufführung oder die sein Leben verändernde Begegnung mit einem besonderen Künstler vermissen. Das tut uns leid. Wir glauben aber, dass es uns trotz aller Unvollkommenheit und trotz aller Lücken gelungen ist, ein stimmiges Bild der naTo zu zeichnen und die – aus unserer Sicht – wesentlichen Meilensteine der Entwicklung dieser Leipziger Kulturinstitution zu zeichnen. Wir haben einige verschollen geglaubte Schätze wiederentdeckt und sind uns sicher, dass auch profunde Kenner der naTo beim Lesen der Chronik manche Überraschung erleben werden. Darüber würden wir uns sehr freuen. Und wir freuen uns auf jedes Gespräch, das durch die Lektüre dieses Buches angeregt wird.

30 Jahre naTo – das sind unzählige künstlerische und soziokulturelle Vorhaben, die an diesem Ort stattfanden oder ihren Ursprung nahmen.

30 Jahre naTo – das sind mehr als 15.000 Veranstaltungen und Projekte, mehr als eine Million Zu-schauer, das sind viele tausend Künstler, Workshopleiter und Kreative.

30 Jahre naTo – stehen für eine Kultur- ja Gesellschaftsidee, in der Weltkunst und Volkskunst, Basiskultur und Hochkultur nicht nebeneinander stehen, sondern harmonisch miteinander funktionieren.

30 Jahre naTo – belegen eindrucksvoll, dass der Übergang zwischen Künstlern und Zuschauern flie-ßend sein kann.

30 Jahre naTo – zeigen, wie wichtig und produktiv Unangepasstheit und Neugierde sind.

30 Jahre naTo – wären ohne die Klubratsmitglieder in den 80ern, die Vereinsmitglieder sowie die unzähligen ehrenamtlichen Helfer niemals möglich gewesen.

30 Jahre naTo – sind ein maßgeblicher Teil meines Lebens als Zuschauer, Macher und Veranstalter.

Torsten Hinger
Vorstand naTo e.V.

 

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Gern informieren wir hier, auf der Webseite zu unserem 30-jährigen Jubiläum, über die Inhalte unsres Buches “30 Jahre naTo” und haben dazu auch einiges aus seinem Inhalt online gestellt. Aber wie es so ist, die Herstellung und der Druck eines Buches sind teuer. Deswegen wollen wir natürlich auch viele der Bücher verkaufen. Den Preis und wo das Buch überall erhältlich ist, können Sie hier erfahren.

 


 

Hier gibt es einige Kostproben aus unserem Buch:

 → …Zu den Geschichten über die naTo

 


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